SPD gedachte der Entstehung der Verfassung des Freistaates Bayern

Lokalpolitik

Dr. Bernd Vilsmeier machte die Entstehung und die besonderen Inhalte der Bayerischen Verfassung

Zum 83. Jahrestag des Untergangs des Freistaates Bayern am 29. April 1933 mit der Zustimmung
aller Parteien zum Ermächtigungsgesetz in Bayern - außer den 16 sozialdemokratischen
Abgeordneten - veranstaltete der SPD-Kreisverband Dingolfing-Landau, unter Leitung von SPD-
Kreisvorsitzenden Dr. Bernd Vilsmeier, zusammen mit dem SPD-Ortsverein Wallersdorf wieder eine
Gedenkfeier an der Gedenkstätte der 149 Opfer des KZ-Außenlagers Ganacker-Erlau bei der
Wallersdorfer Sebastianikirche. Nur noch die 16 Sozialdemokraten angeführt von Albert Roßhaupter,
einen gebürtigen Niederbayern, fanden damals den Mut sich den Nazis entgegenzustellen.
Aber Terror, Verfolgung und Unmenschlichkeit konnten den Drang nach Freiheit, Gerechtigkeit und
Solidarität, die unsere sozialdemokratischen Grundwerte sind, nicht unterdrücken oder zerstören, so
DR. Vilsmeier in seiner Gedenkrede. Im Gegenteil viele unserer Genossinnen und Genossen gingen
in den Widerstand und hielten so unsere Grundwerte am leben, erklärte Vilsmeier.

  Schon kurz nach dem Ermächtigungsgesetz war auch Wilhelm Hoegner, ein damaliger SPD-
Abgeordneter und Jurist, gezwungen, seine Heimat zu verlassen, weil er um Leib und Leben fürchten
musste. Über Tirol flüchtete er in die Schweiz. Dort im Exil erarbeitete er Entwürfe für Verfassungen
für ein föderales Deutschland und auch für Bayern. Diese hatte er sprichwörtlich bereits in der Tasche
als er im Juni 1945 nach Bayern zurückkam. Von September 1945 bis zu den Landtagswahlen im
Dezember 1946 war Bayerischer Ministerpräsident, eingesetzt von der US-amerikanischen
Militärverwaltung in der US-Besatzungszone. Und von März bis Juni 1946 war er Vorsitzender des
Vorbereitenden Verfassungsausschusses, von Juni bis November Mitglied der Verfassungsgebenden
Nationalversammlung.
Somit kann Dr. Wilhelm Hoegner mit Fug und Recht als der „Vater“ der Bayerischen Verfassung von
1946 bezeichnet werden, machte Vilsmeier klar. Auch der Gründer des Freistaates Bayern war ein
Sozialdemokrat. Kurt Eisner rief den Freistaat Bayern am 08. November 1918 im Münchener
Mathäserbräu aus. Mit der Ausrufung des Freistaates Bayern und der Bayerischen Verfassung haben
wir Sozialdemokraten unserer Bayerischen Heimat mehr als deutlich den Stempel aufgedrückt,
machte Vilsmeier deutlich. Wenn auch die CSU den Nimbus verbreitet für alles „Bayerische „ zu
stehen, so schlagen, übrigens wie bei allen Menschen, die Herzen links. Auch wir Sozis lieben unser
Heimat und leben gerne hier.
Jedenfalls hatten die Bayern in den Jahren 1945 und 1946 wahrlich andere Probleme, als an eine
Verfassung zu denken. Es herrschte Hunger, Not, Obdachlosigkeit und Elend, nach dem „totalen
Untergang“. Wir kennen die Daten: 55 Mio. Tote im II. Weltkriege, Völkermord an 7 Mio. Juden, Sinti
und Roma, Millionen von Verwundeten, an die 10 Mio. Flüchtlinge, zerstörte Städte, die Spaltung
Deutschlands. Vor diesem Hintergrund weiß man erst die Tatkraft von Wilhelm Hoegner zu schätzen. 
Wesentlichen Inhalte der Bayerischen Verfassung sind: Bayern ist ein Freistaat, ein Volksstaat, ein
Rechtsstaat, ein Kulturstaat und ein Sozialstaat. dazu nennt die Verfassung eine Reihe von
Grundrechten. Damit gilt die Bayerische Verfassung als die menschenfreundlichste der Welt. Und sie
wurde am 1. Dezember 1946 mit einer Mehrheit von mehr als 70 % vom Bayerischen Volk
angenommen.

Gegenüber dem Deutschen Grundgesetz hat die Bayerische Verfassung folgende Vorzüge: Sie ist
vom Volk beschlossen, enthält starke Elemente direkter Demokratie, nennt viele Verfassungsziele und
Staatsaufgaben, beschreibt ein ganz besonderes Recht im Art. 141 (3), den „Genuss der
Naturschönheiten und die Erholung in der freien Natur“ (despektierlich als "Schwammerlparagraph"
bezeichnet), gibt den Kommunen eine starke Stellung, ermöglicht Popularklage für jedermann beim
Bayersichen Verfassungsgerichtshof und ist nur vom Volk zu ändern.
Die Bayerische Verfassung atmet sozusagen sozialdemokratische Traditionen und Werte, so
Vilsmeier. Deshalb haben sie die Konservativen nie gemocht. Sie wird verbogen, vergessen und
verraten, wenn sie nicht ins politische Kalkül passt. So werden viele Verfassungssätze als bloße
Programmsätze gedeutet, aber nicht als geltendes Recht. Es lohnt sich ab und zu mal wieder in die
Bayerische Verfassung hineinzuschauen - jeder Schüler muss eine bekommen, so steht’s auch in der
Verfassung.
Nach einer Gedenkminute für die Opfer von Terror, Unmenschlichkeit, Flucht und Vertreibung. Dankte
SPD-Kreisvorsitzender Dr. Bernd Vilsmeier den vielen Besuchern für ihr Kommen und besonders Rudi
Wenzl für die einzigartige Pflege der Gedenkstätte, dem SPD-Ortsverein Wallersdorf mit
Vorsitzendem Georg Wintersperger für die Mithilfe und den Blumenschmuck, den Zeitzeugen aus
Wallersdorf, Alfred Zehentmeier und Herrn Schömmer.

 
 

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